Pfarrgemeinderats- / Kirchenvorstands-Wahl 2011  

Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand in der Gemeinde

Funktionen und Aufgaben

Der Pfarrgemeinderat

Der Pfarrgemeinderat hat eine Doppelfunktion: Er ist einerseits der vom Erzbischof eingesetzte Pastoralrat der Gemeinde und andererseits das vom Erzbischof anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienapostolates (Verkündigung des Evangeliums in der Gesellschaft). Als Pastoralrat berät und unterstützt der Pfarrgemeinderat den Pfarrer; als Organ des Laienapostolats kann der Pfarrgemeinderat in eigener Verantwortung tätig werden und Beschlüsse fassen. Diese Verknüpfung von laienapostolischer Tradition und beratender Tätigkeit ist spezifisch für den deutschsprachigen Raum. Dem Pfarrgemeinderat ist es sowohl aufgetragen, eigenständig das Evangelium in die Welt zu tragen („Weltdienst“), als auch die Priester bei der „Heilssorge“ (Sorge um die Sakramente) und bei der Seelsorge im Allgemeinen zu unterstützen. In der Satzung der Pfarrgemeinderäte heißt es ausdrücklich: „Der Pfarrgemeinderat dient dem Aufbau einer lebendigen Gemeinde und der Verwirklichung des Heils- und Weltauftrags der Kirche“ (§ 2). Die Anstrengungen der Gemeinde zur Mitwirkung am Heils- und Weltdienst der Kirche werden gewissermaßen im Pfarrgemeinderat kanalisiert und gebündelt. Seine Mitglieder machen die Mitverantwortung aller Glaubenden für den Gemeindeaufbau konkret sichtbar. Im Pfarrgemeinderat wird der Gedanke vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen institutionalisiert. Er ist auch der Ort in der Pfarrgemeinde, an dem der Volk-Gottes-Gedanke und das Ideal der Communio in besonderer Weise zum Ausdruck kommen. Das geschwisterliche Miteinander seiner Mitglieder soll beispielhaft für andere Gruppen und Gremien in der Gemeinde sein. Der Pfarrgemeinderat gestaltet das Gemeindeleben tatkräftig mit, trägt seinen Teil dazu bei, das Gesicht der Pfarrei zu prägen, und ist deshalb mitverantwortlich dafür, dass die Kirche vor Ort glaubwürdig ist.

Die Pfarrgemeinde überträgt den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates durch eine demokratische Wahl das Mandat, Verantwortung für das Ganze der Pfarrgemeinde zu übernehmen. Sie sind nicht Vertreterinnen und Vertreter einzelner Interessensgruppen, sondern haben ein Mandat der gesamten Gemeinde. Gemeinsam mit dem Pfarrer und den Seelsorgern beraten sie die pastoralen Fragen, führen die vielfältigen Dienste der Einzelnen wie auch der Gruppen zusammen, entdecken, fördern und vernetzen die verschiedenen Charismen und fragen nach den Herausforderungen und Aufgaben für die Gemeinde in der Gesellschaft. Als legitimiertes öffentliches Organ der Pfarrgemeinde gehen die Aufgaben, Funktionen und Kompetenzen des Pfarrgemeinderates über die einer Initiative, eines Vereins, einer Arbeitsgruppe oder eines Verbandes hinaus.
Da die konkrete Gemeinde jedoch von aktiven, kleinen, überschaubaren Gruppen lebt, weiß sich der Pfarrgemeinderat dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtet: All das, was Einzelne bzw. Gruppen zu tun imstande sind, muss der Pfarrgemeinderat nicht selbst erledigen. Vielmehr begleitet er aufmerksam und hilfsbereit ihr Wirken, koordiniert die unterschiedlichen Aktivitäten und trägt Verantwortung dafür, dass Räume und Einrichtungen für die verschiedenen Gruppen und Dienste in der Pfarrei zur Verfügung stehen.

Der Kirchenvorstand

Der Kirchenvorstand ist für die Vermögensverwaltung und für die rechtliche Außenvertretung der Kirchengemeinde zuständig. Ihm gehören der Pfarrer, die von der Gemeinde gewählten Kirchenvorstandsmitglieder, die innerhalb der Grenzen der Kirchengemeinde in der Pfarrseelsorge hauptamtlich tätigen Geistlichen sowie ein Vertreter des Pfarrgemeinderates an. Die Amtszeit der gewählten Kirchenvorstandsmitglieder dauert acht Jahre. Nach jeweils vier Jahren scheidet die Hälfte aus.
Der Kirchenvorstand hat den wirtschaftlichen Rahmen zu verantworten und sicherzustellen, damit die Kirchengemeinde ihren Auftrag erfüllen kann. Dieser Aufgabe kommt er im Allgemeinen dadurch nach, dass nach Beratung Beschlüsse über die Vermögensverwaltung gefasst und aufgrund der gemeinsamen Entscheidung dem Erzbischöflichen Ordinariat zur kirchenaufsichtlichen Genehmigung (§ 19 KiVVG) eingereicht werden. Die Vermögensverwaltung des Kirchenvorstands betrifft u.a. das technische Personal der Kirchengemeinde, die Bautätigkeit, die Unterhaltung von Gebäuden oder finanzielle Entscheidungen wie z.B. Geldanlagen, Eigenmittelfinanzierung der Kirchengemeinde im Rahmen von Personalentscheidungen oder Baumaßnahmen in der Kirchengemeinde.

Die Tätigkeit des Kirchenvorstandes ist geprägt durch ein hohes Maß an Verantwortung für das Vermögen der Kirchengemeinde, das u.a. auch mittels Kollekten und Spenden durch die Gläubigen der Gemeinde aufgebracht wird. Die Kirchengemeinde kann Träger von Kita, Hort, Friedhof oder Seniorenheim sein. Entsprechend nimmt der Kirchenvorstand Personalverantwortung gegenüber seinen Dienstnehmern (technisches Personal in Kirchengemeinde, Kita, Hort, Friedhof, Seniorenheim) wahr.

Das Zusammenwirken beider Gremien

Da die Entscheidung über Vermögen, Personal oder Bautätigkeit wesentlich von Entscheidungen über pastorale Schwerpunktsetzungen abhängig ist, sind Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand aufeinander angewiesen. Um einen guten Informationsfluss zu gewährleisten, gehört ein Vertreter des Kirchenvorstandes dem Pfarrgemeinderat an (§ 6 Nr. 1f Satzung der Pfarrgemeinderäte) und ist ein Mitglied des Vorstandes des Pfarrgemeinderates Mitglied im Kirchenvorstand (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 KiVVG). Diese Personen sind wichtige Informationsträger in der Zusammenarbeit von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat.

Die Verwiesenheit beider Gremien aufeinander ist in den einzelnen Bestimmungen wie folgt geregelt:

Beschlüsse des Pfarrgemeinderates, die finanzielle Auswirkungen für die Pfarrei mit sich bringen, sind nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kirchenvorstandes wirksam (§ 18 Nr. 1 Satzung der Pfarrgemeinderäte). Andererseits muss der Kirchenvorstand vor allen wichtigen Entscheidungen den Pfarrgemeinderat hören und seine Stellungnahme einholen (§ 18 Nr. 2 Satzung der Pfarrgemeinderäte und § 16 KiVVG).

Es ist sinnvoll, wenn die beiden Gremien einmal im Jahr zusammen aktuelle Fragen beraten. Der jeweilige Akzent für die nächste Zeit kann so gemeinsam getragen werden. Auch auf der jährlichen Pfarrversammlung können Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand sich abstimmen. Hier geht es um das Zusammenspiel des pastoralen und wirtschaftlichen Handelns der Gemeinde in Gottesdienst, Verkündigung und tätiger Nächstenliebe. So arbeiten beide Gremien im Auftrag und am Auftrag der „Sache Jesu“. Ist ihnen das bewusst, ergibt sich ganz selbstverständlich ein enges und die Gemeinde förderndes Miteinander.

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